Unerwarteter Fund in der Sakristei

Zufällig wird in der Wunderblutkirche Bad Wilsnack eine zugemauerte Tür entdeckt/ Raum gibt weitere Geheimnisse preis

Wann genau der Durchgang wieder zugemauert wurde, können Lorena Rombach und Detlev von Olk nicht sagen.Reik Anton

Wann genau der Durchgang wieder zugemauert wurde, können Lorena Rombach und Detlev von Olk nicht sagen. Reik Anton

Reik Anton Bad Wilsnack „Dieser Raum ist voller Geheimnisse“, sagt Christian Richter als er in der Wunderblutkirche auf dem Weg in die Sakristei ist. Dass ein zufällig entdeckter Riss in der Wand zu einem besonderen Fund führt, hätten weder das Mitglied des Gemeindekirchenrats noch die Bauexperten gedacht.

Doch genau so ist es gekommen. „Als wir dabei waren, die Risse zu untersuchen, wurde Detlev von Olk auf einige Formsteine in der Mauer aufmerksam“, erinnert sich Lorena Rombach, Ingenieurin in der Denkmalpflege, die beim Planungsbüro Axel Seemann aus Berlin arbeitet, das mit Dombaumeisterin Regine Hartkopf als Arbeitsgemeinschaft bei diesem Projekt tätig ist. Detlev von Olk ist der Bauhistoriker vom Büro KVO aus Berlin. Wegen dieser Formsteine war ihm schnell klar, dass hinter der Mauer etwas Besonderes verborgen sein musste. Hinter mehreren Ziegelschichten kam ein schmaler Durchgang von der Sakristei, genauer vom Bereich der einstigen Gruft, in die Kirche zum Vorschein. Wann dieser Durchgang, der etwa aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammt, verschlossen wurde, kann heute nicht genau gesagt werden. Ebenso ist es bei der Frage, wann die Sakristei mit Wänden unterteilt wurde. Dadurch entstand die kleine Gruft, in der sich dieser nun entdeckte Durchgang befindet. „Wir gehen davon aus, dass diese Tür dafür genutzt wurde, um von der Sakristei in die Kirche einziehen zu können, zum Beispiel bei hohen Festen“, erklärt Detlev von Olk. Heute befindet sich eine Grabplatte auf der anderen Seite des Durchgangs.

Die Trennwände innerhalb der Sakristei wurden im vergangenen Frühsommer wieder entfernt. „Somit haben wir den bauzeitlichen Zustand wiederhergestellt“, sagt Lorena Rombach. Das ist auch das Ziel beim aufwändig gestalteten Ziegelfußboden. „Es ist eine Idee, diese Ziegel nachzubrennen und dann nicht nur in der Sakristei, sondern vielleicht auch in der Kapelle zu verlegen. Aber dazu erfolgen noch Gespräche mit der Denkmalpflege“, so Lorena Rombach, die ihre Masterarbeit 2017 über den Dachstuhl der Kirche schrieb.

Ein weiteres Geheimnis gab die Sakristei vor einiger Zeit preis. Im Boden wurden steil abfallende, schmale Stufen entdeckt, die in einen etwa vier Quadratmeter großen Kellerraum führen. Dieser ist mit Ziegelsteinen ausgekleidet. „Wozu er diente, ist nicht bekannt. Aber wir haben eine Münze aus dem 18. Jahrhundert darin gefunden. Das heißt, er muss benutzt worden sein“, so Christian Richter.

Weitere Überraschungen wollen Lorena Rombach und Detlev von Olk nicht ausschließen. „Davor ist man nicht sicher. Aber das macht unsere Arbeit auch aus“, sagt der Bauhistoriker, der seit 2002 mit der Wunderblutkirche in Bad Wilsnack verbunden ist, als leichte Ausbesserungsarbeiten, darunter an der Nordseite, vorgenommen wurden. „Es ist grundsätzlich schon auch eine romantische Arbeit, denn man kann in die Vergangenheit blicken. Welches Gewusel im Mittelalter hier herrschte, das herauszukitzeln, ist spannend“, sagt Detlev von Olk. Ähnlich sieht es Lorena Rombach und ergänzt: „Was wir entdeckt haben, wird mir oft erst später klar, wenn ich nochmal darüber nachdenke.“ Die Arbeiten im Inneren der Kirche werden zum Großteil über Drittmittel, also Spenden, finanziert.

Quelle: Der Prignitzer, Mittwoch, 14.11.2018, Seite 7

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