Pressebericht: Bauführung zu den Prunksärgen

Prunksärge aus der Wunderblutkirche erstrahlen bald im neuen alten Glanz

Besucher betrachten den mit Löwenköpfen und Arkanthusblüten verzierten Sarg aus dem frühen 18. Jahrhundert.

Bad Wilsnack Als „einzigartige Kulturdenkmäler“ bezeichnet Archäologe und Kunsthistoriker Dr. Andreas Ströbl die Särge aus den Gruften der Bad Wilsnacker Wunderblutkirche. Im Zuge der Sanierungsarbeiten werden konservierende Sicherungsmaßnahmen vorgenommen. Die insgesamt neun Prunksärge werden unter anderem gereinigt und untersucht. In dieser Woche konnten sich Interessierte erstmals ein Bild von ihnen machen. Gemeinsam mit seiner Frau Regina, ebenfalls Archäologin und Kunsthistorikerin, führte Ströbl rund 40 Besucher durch die Gruft. Dort stehen fünf Särge aus dem 18. und 19. Jahrhundert. „Ich finde es wirklich interessant und spannend, diese Särge zu sehen“, sagt Besucherin Anke Zschach. In manchen ruhen noch Beigesetzte. Diese bleiben den Besuchern verborgen, da das Archäologen-Ehepaar von der Lübecker Forschungsstelle Gruft die ungeöffneten Särge nur von außen untersucht. „Aus Rücksicht auf die Toten. Was geschlossen ist, bleibt es auch“, so Andreas Ströbl. Anke Zschach findet diese Entscheidung richtig. Die Menschen hätte nicht gewollt, dass ihre Totenruhe gestört wird. Die meisten Särge sind allerdings leer, wurden schon einmal geöffnet. Grabräuber versuchten immer wieder, Schätze aus Gruften zu ergaunern, so Ströbl.

Auf einer Empore im Kirchenschiff werden zudem weitere Särge untersucht. Sie stammen aus dem frühen 18. Jahrhundert. Das ursprünglich schwarz lackierte Holz, mit aufgetragenen Löwenköpfen und Arkanthusblättern müssen dringend konserviert werden. Diese Ornamente „wurden bereits in der griechischen und römischen Antike verwendet, um die Toten zu würdigen“, erklärt Ströbl. In den kommenden Tagen sollen unter anderem mit Hilfe von Historikern, die sich in der Regionalgeschichte auskennen, die Hintergründe zu den einzelnen Objekte geklärt werden.

Das Ergebnis der Restaurierung und wo die Särge zukünftig ihren Platz finden, erläutern die Archäologen gemeinsam mit der Kirchengemeinde am 10. Oktober um 18 Uhr im Gemeindehaus.

Geld für die laufende Restauration gibt es unter anderem aus dem Programm „Denkmäler in Not“. Ende August gab es dafür einen Scheck über 50 000 Euro vom Brandenburgischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur.
Der Prignitzer, Seite 7, Donnerstag 14. September 2017, paul

 

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