„Der Prignitzer“: Historischer Mörtel

vom 27. Januar 2017                                                  Aus der Redaktion des Prignitzers

Es herrscht Ruhe auf der Baustelle : Historischer Mörtel ist unschlagbar

Bei der Restaurierung an der Wunderblutkirche in Bad Wilsnack tun sich Herausforderungen auf. So hat das Gotteshaus ein Gefälle und die Gewichtsverteilung ist sehr unterschiedlich.

Derzeit ruhen die Sanierungsarbeiten an der Westfassade der Wunderblutkirche St. Nikolai wegen des Winterwetters. Das heißt aber nicht, dass hinter den Kulissen nichts passiert. „Es wurden Proben entnommen, um den historischen Mörtel nachbilden zu können. Wie und ob das möglich ist, wird jetzt getestet“, erklärt Gemeindekirchenratsvorsitzender Christian Richter.

Denn es habe sich herausgestellt, dass der 500 Jahre alte Mörtel in seiner Zusammensetzung besser ist als die heutigen Mischungen. „Wir wollen versuchen, den Mörtel in der Kiesgrube Glöwen nachbilden zu lassen“, so Richter. Neben der Langlebigkeit hätte es auch den Vorteil, dass sich die Ansicht des historischen Baus kaum verändern würde, was das Ziel bei den Restaurierungsarbeiten ist. Mit Bedacht soll die Westfassade bearbeitet werden. Nur wo es wirklich nötig ist, werden Steine ausgewechselt. Ansonsten wird die Oberfläche von Hand vorsichtig gereinigt. „Ich denke, dass Wurzelbürsten verwendet werden. Ein Hochdruckreiniger wäre wohl schon zu stark“, so Christian Richter.

Auch die Fenster haben die Fachleute im Blick, eine Begutachtung erfolgte bereits. „Wir haben Signaturen der Bad Wilsnacker Glaserei Schultz entdeckt. Das ist schon etwas Besonderes, zu sehen, wie eine hiesige Firma mit dem Haus verbunden ist“, meint Richter. Firmen-Inhaber Jürgen Schultz erklärt auf Nachfrage, dass schon sein Vater, der den Betrieb 1924 gründete, immer wieder an den Fenstern zu tun hatte. „Das belegt ein altes Stundenbuch, das ich noch habe“, so Jürgen Schultz. So half sein Großvater in den Zeiten des Zweiten Weltkriegs, die Hochaltarfenster auszubauen, um sie vor Schäden zu schützen. „Nachdem er aus dem Krieg zurückgekehrt war, setzte er sie auch wieder mit ein.“ Jürgen Schultz will sich an der Ausschreibung für die Fenstersanierung beteiligen. Sollte er den Zuschlag erhalten, könnte sich die nächste Generation der Glaserfamilie an dem Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung verewigen. „Die Windeisen, die die Fenster stabilisieren, sind teilweise verrostet. Da muss etwas gemacht werden“, weiß Jürgen Schultz.

Das gilt auch für das Dach, das das größte Teilprojekt der Kirchensanierung ist. In dieser Woche fand ein Gespräch mit der Dachdeckerfirma statt. „Es sind 27 Meter bis zum Dachfirst. Das ist schon eine Herausforderung und nicht alltäglich. Das muss man technisch erstmal machen können“, sagt Christian Richter. Sobald die Temperaturen wieder im Plusbereich liegen, sollen die Ziegel abgenommen werden. Neun verschiedene Sorten habe man entdeckt. „Dieser wiegt über zwei Kilo“, sagt Richter und präsentiert einen Biberschwanz von der Dachkonstruktion. Da in der Vergangenheit nur einzelne Stellen am Dach ausgebessert wurden, kam es zu diesem Sammelsurium an unterschiedlichen Ziegelsorten. Das Besondere am Dach ist die deutliche Lastverschiebung über die gesamte Fläche. Bis zu zehn Tonnen Unterschied wurden ermittelt. Grund: Die Kirche neigt sich gen Westen um bis zu sechs Grad. Ziel ist es laut Christian Richter, alle Ziegel für das Dach komplett zu kaufen. „Im Moment suchen wir nach einer Brennerei in der Region, die die Dachbedeckung herstellen kann.“ Alte Ziegel, die noch gut erhalten sind, sollen auf den Querhäusern wieder verwendet werden.

Im Inneren des Gotteshauses ist bereits eine Veränderung sichtbar. Der Altar, der Mitte des vergangenen Jahrhunderts aufgestellt wurde, ist verschwunden. „Die Baufachleute haben uns vorgeschlagen, den Altar zurückzubauen, um den Kirchenraum aufzulockern. 30 Mitglieder der Kirchengemeinde haben dabei geholfen“, so Christian Richter. Derzeit gibt es eine mobile Zwischenlösung, die von der Kirchengemeinde Kletzke bereitgestellt wurde. „Der Vorteil ist, dass bei Konzerten die Orchester nun besser aufbauen können. Es gibt mehr Platz.“ Doch der mobile Altar sei nur eine Übergangslösung, betont der Gemeindekirchenratsvorsitzende. „Wir wollen eine Ausschreibung machen, an der sich Künstler beteiligen können. Sie sollen dann einen Altar entwerfen. Uns schwebt ein Modell aus Holz vor.“ Generell solle der Raum aber nicht wieder zugestellt werden. „Wir werden wohl auch das Gestühl aus den Querhäusern herausnehmen, um andere Sichtachsen zu bilden“, so Richter. Dann könnten Veranstaltungen auch an anderer Stelle in der Kirche stattfinden.

 

Autor: Reik Anton

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