„Der Prignitzer“ Bauführung am 02.05.2017

Der Prignitzer, Seite 11, Donnerstag, 04.05.2017

Der Kirche aufs Dach gestiegen

Zweite Bauführung lockte trotz Regen zwei Dutzend Enthusiasten auf das Baugerüst an der Wunderblutkirche

Bauführung an der Wunderblutkirche

Bauingenieurin Annette Schulze (m.) erklärt zusammen mit Glasermeister Jürgen Schultz (r.) die Arbeiten an den Fenstern der Westfassade in gut 20 Metern Höhe. © cihd / Der Prignitzer

Bad Wilsnack

Je weiter die Restaurierungen an der Wunderblutkirche voranschreiten, desto mehr werden die Herausforderungen offenbar. So zeigte es sich auch bei der zweiten öffentlichen Bauführung in dieser Woche. Der Bauausschuss der Kirchengemeinde und die federführende Bauingenieurin Annette Schulze vom Ingenieurbüro IBS aus Bad Wilsnack hatten dazu einladen. Gut zwei Dutzend Besucher nahmen trotz einsetzenden Regens die Gelegenheit wahr und stiegen die Stufen hinauf, um sich zum Teil in über 20 Metern Höhe über die Baufortschritte des seit vergangenem Herbst eingerüsteten Gotteshauses zu informieren.

Am Fuß der Südseite zeigt sich an den Pfeilern, wie sehr der Frost-Tau-Wechsel das dicke Gemäuer im Inneren zermürbt hat. Unter der geschlossenen Ziegeloberfläche hatte der Zement aus jüngeren Restaurierungen den Temperaturunterschieden nicht viel entgegenzusetzen, erläutert Annette Schulze die offenliegenden Gemäuer.

An der Westfassade oberhalb des Eingangsportals ist derzeit der Bad Wilsnacker Glasermeister Jürgen Schultz zugange und bessert die kleinen Spitzbogenfenster aus. „Solche Arbeiten hat mein Opa schon gemacht,“ erklärt Schultz den interessierten Besuchern. Die Arbeiten an der Westfassade – der Hauptwetterseite – sind stärker von der Witterung abhängig als an anderen Gebäudeteilen. „Bei Dreckwetter kann man hier nicht viel machen“, meint Schultz mit einem Augenzwinkern. Die Fenstereisen stünden noch gut, teilweise erneuert er den Kit, ersetzt beschädigte Glaselemente. „Hier wird nur mundgeblasenes Altglas verwendet, an die Kirche kommt nichts neues“, so Annette Schulze über die Denkmalschutzauflagen. An der Westfassade sieht man auch deutlich den Unterschied, den das historische Material macht. Teile der alten Fugen sind über 500 Jahre alt. „Und dieses alte Fugenmaterial steht oftmals noch ganz gut. Während es aus den Fugen, die in den 60er-Jahren mit Zement ausgebessert wurden, teilweise erheblich bröckelt“, so Schulze und zeigt auf eine Stelle, in der noch Reste eines Gerüsteisens aus dieser Zeit in der Wand vermauert sind. „Die Denkmalpflege guckt genau hin, was wir machen“, so die Bauingenieurin. Der erste Bauabschnitt, ungefähr 10 Gebäudemeter von der Westfassade in Richtung Kirchenschiff, soll im Sommer fertig restauriert sein, erklärt Frank Weber vom Bauausschuss der Kirchengemeinde, die Bauherrin ist. „Es ist fantastisch zu sehen, was hier passiert“, ergänzt Weber.

Die nächste öffentliche Führung in luftiger Höhe soll in etwa zwei Monaten stattfinden. Ein Termin wird noch bekanntgegeben. Carlo Ihde

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