Das erste Jahr der Kirchensanierung – Ein Rückblick

Das erste von sieben Jahren Sanierung unserer Nikolaikirche liegt hinter uns. Die Arbeiten des ersten Bauabschnittes sind weitestgehend abgeschlossen. Ein Jahr ist es nun her, dass der Westgiebel, sowie die ersten Meter von Nord- und Südseite eingerüstet wurden. Viel ist seitdem geschafft worden. Einiges ist deutlich sichtbar, anderes nur auf den zweiten Blick.

Schon von weitem kann man jetzt die Fassade des Westgiebels strahlen sehen. Sie wurde gereinigt, zerbrochene oder fehlende Ziegelsteine wurden ersetzt, die von der Witterung ausgewaschenen Fugen mit dem historischen Mörtel in Eigenschaft und Farbe nachempfundenen Material ausgebessert. Besonders im Bereich der Verzierungen auf dem Giebel gab es große Schäden, die repariert werden mussten. Die Schrägen wurden jetzt zusätzlich mit Bleiplatten abgedeckt, um in Zukunft Auswaschungen durch Regen und Wind zu verhindern.

Auch den bleiverglasten Fenstern hatte die Witterung zugesetzt. Einzelne Gläser fehlten oder waren gebrochen, Windeisen verrostet oder nicht mehr vorhanden, Bleiteile schadhaft. Die »Glaserei Schultz« aus Bad Wilsnack, mittlerweile schon in der 4. Generation mit den Fenstern der Wunderblutkirche vertraut, reparierte alle Giebelfenster sowie die ersten an den Giebel angrenzenden großen Fenster der Nord- und Südseite.

Ein weiterer Schwerpunkt der Sanierung ist der Dachstuhl. Feuchtigkeit, sowie Pilz- und Wurmbefall haben deutliche Spuren an der gewaltigen Konstruktion hinterlassen. Durch die vielen verschiedenen Dachziegelsorten war ein Ungleichgewicht von mehreren Tonnen entstanden. Der Dachstuhl hatte sich dadurch verzogen. Die Firma »Denkmalplan« hat sehr aufwendig defekte Schwellen, Balken und Balkenköpfe teilweise mit altem Eichenholz ersetzt. Im Mittelschiff wurde eine neue Längsaussteifung eingebracht, die defekten Teile der Turmkonstruktion wurden sehr aufwendig repariert. Erneuert wurde auch der Glockenstuhl, die historische Pilgerglocke hat einen elektrischen Antrieb bekommen.

Der erste sanierte Abschnitt des Dachstuhls bekam neben neuen Dachlatten auch neue Ziegel. Diese Dachziegel in mittelalterlichem Format wurden speziell für unser Kirchendach gefertigt und sind daher einzigartig. Verschiedene Formen, Farben und Oberflächen wurden vorab bemustert, auch kleinste Details immer wieder geändert, bis der »Wilsnacker Biber« in Produktion ging. Die Firma »Braas« hat den Zuschlag dafür bekommen und 80.000 Dachsteine produziert. Die Firma »Ralph Köhn Bedachung« aus Groß Werzin hat die Dachdecker- und Dachklempnerarbeiten ausgeführt.

Auch im Inneren der Kirche wurden während des ersten Bauabschnittes sichtbare Veränderungen vorgenommen. Der Mittelaltar aus den 1950er Jahren wurde entfernt und wird bei Bedarf durch eine transportable Variante ersetzt. Die hölzernen Windfänge an Nord- und Südeingang, sowie auch die Bänke der Seitenschiffe wurden ausgebaut und geben dadurch wieder viel Raum frei. Die Seiten- und Querschiffe werden in Zukunft nur bei Bedarf bestuhlt.

Die restlichen fünf Prunksärge wurden aus der Gruft hinter der Baukammer nun ebenfalls auf die Gesellenempore verbracht. Das Archäologen- und Kunsthistorikerehepaar Dres. Ströbl aus Lübeck hat die nun insgesamt neun Särge archäologisch untersucht und konservierende Sicherungsmaßnahmen vorgenommen. Das war nötig, um die Särge vor dem weiteren Verfall zu schützen und wurde vom brandenburgischen Kulturministerium finanziell gefördert.

Das Interesse der Bad Wilsnacker am Baugeschehen war groß. Die Besucherzahlen der regelmäßigen Bauführungen stiegen von Mal zu Mal. Auch im nächsten Jahr wird es wieder öffentliche Bauführungen geben, mit Wissenswertem und Spannendem rund um unsere Kirche.

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