Bericht von der Bauführung

Auch “Der Prignitzer” war bei der Bauführung am 03.11. dabei und schreibt dazu:

Von Fenstern und Biberschwänzen

Öffentliche Bauführung gibt weiteren Einblick bei Sanierung der Wunderblutkirche in Bad Wilsnack

Martina Kasprzak Bad Wilsnack
Sie klimmen die Stufen bis unters Dach empor, ob auf dem Baugerüst oder auf der schmalen Wendeltreppe. „Wenn das Gerüst nicht mehr steht, kommt man da nie wieder hoch“, so die Teilnehmer an der erneuten öffentlichen Bauführung in der Bad Wilsnacker St. Nikolai Kirche. Rund 50 sind es an diesem Vormittag – so viele wie noch nie, freut sich der Vorsitzende des Fördervereins Wunderblutkirche Jochen Purps, der in Abständen gemeinsam mit dem Gemeindekirchenrat die Bürger einlädt, um über Baufortschritte zu berichten.

„Wir haben uns erst einmal auf die Hülle konzentriert“, sagt Purps. Dachstuhl, Dacheindeckung, Stufengiebel, Mauerwerk – im Herbst 2020 soll das Dach nach grobem Zeitplan fertig sein. Da sich der komplette Dachstuhl immer mehr nach Westen geneigt hat, erfolgte eine Aussteifung, Diagonalstreben wurden eingebaut.

Doch bei so einem altehrwürdigen Gemäuer aus der Pilgerzeit können immer wieder unvorhergesehene Überraschungen auftauchen. So auch am großen Fenster auf der Nordseite. „Das musste komplett ausgebaut werden und es müssen Stahlträger eingesetzt werden, damit die Stabilität wieder hergestellt wird“, erklärt Purps. Dadurch komme es zu Verzögerungen um einige Monate.

Das kleine Walmdach Richtung Kurklinik wurde wieder mit alten Biberschwänzen eingedeckt. „Wir wollten eigentlich alle alten Biberschwänze wieder verwenden, das funktioniert leider nicht“, so der Fördervereinsvorsitzende und fügt an: „Viele würden nicht mehr über mehrere Generationen halten, es macht keinen Sinn nach zehn, 15 Jahren wieder anzufangen.“ Das Nord-Querhaus ist bereits eingedeckt. Vom südlichen Querhaus soll das Gerüst im Frühjahr zum hohen Chor wandern. „Es ist etwas Besonderes, dass wir das Dach einheitlich eindecken können“, sagt Purps.

Zugleich hat man wieder einen Stufengiebel aufgemauert. „Es gibt allerdings keine Zeitdokumente, dass die Wunderblutkirche mal einen Stufengiebel hatte“, so Purps. Aber man hat Zeitvergleiche gezogen. Man habe das Dach irgendwann umgebaut und einen glatten Giebel errichtet. „Es wird ein spannender Moment, wenn das Gerüst dort weggenommen wird, und wir den Stufengiebel richtig sehen können“, meint er.

Doch die Sanierung der Wunderblutkirche, bei der alles mit dem Denkmalschutz abgestimmt wird, beinhaltet so unzählig viele Facetten. Zum Beispiel auch die Erneuerung der Fenster in der Wunderblutkapelle und da steckt eine kleine Anekdote dahinter. Bei der Aufmauerung von außen war die erste Fassung dem Denkmalschutz zu spitz. Schwierig für den Fachmann, die extra dafür in Glindow angefertigten Steine rund zu bekommen, aber es gelang. Doch nun waren sie laut Denkmalschutz eigentlich zu rund. „Aber das kann jetzt so bleiben“, erzählt Jochen Purps. Die Scheiben zu diesen Fenstern soll ein Glaskünstler gestalten.

Und schon wird parallel zu den Arbeiten und Vorbereitungen für die Hülle auch das weitere Vorgehen im Inneren geplant, das sind dann die Bauabschnitte fünf bis sieben. Ab nächstem Jahr soll ein Gerüst innen aufgestellt werden, um mit der Wandfassung beginnen zu können. Auch die Fußbodenfliesen werden erneuert– alles wird wieder denkmalgerecht hergestellt.

Die Sanierung der Wallfahrtskirche ist ein Riesenprojekt, das auf sieben Jahre angelegt ist. Insgesamt fließen 4,2 Millionen Euro dafür. Je ein Drittel vom Bund, Land und dem Träger, wobei bei letzterem viele involviert sind, allen voran die Landeskirche.

Und die Verantwortlichen haben neuerdings im Innenraum die Bauphasenkartierung mit einer umfassenden Legende aufgehängt. Die Fakten zu der Bauforschung hat Diplom-Ingenieur Detlev von Olk in jahrelanger Arbeit zusammengestellt. Wer sich dafür interessiert, kommt am 20. November um 19 Uhr in das Gemeindehaus, dann hält von Olk dazu einen Vortrag.

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