Bauführung vom 06.08.2019

Zu Besuch unterm Kirchendach

Bauführung durch die Wunderblutkirche in Bad Wilsnack macht in 30 Metern Höhe bei den Zimmerleuten Halt

Jochen Purps führt die Besucher auf das Gerüst an der Wunderblutkirche. Hinter ihm ist die schwarze, vorübergehend auf dem Dach befestigte Bitumenpappe zu erkennen.
 
Jochen Purps führt die Besucher auf das Gerüst an der Wunderblutkirche. Hinter ihm ist die schwarze, vorübergehend auf dem Dach befestigte Bitumenpappe zu erkennen.
 

Paul Grotenburg
Bad Wilsnack Weit oben in rund 30 Metern Höhe über Bad Wilsnack arbeiten Dirk Wittig und seine Kollegen. Sie sind die Zimmerleute, die derzeit die Hölzer und Sparren unter dem Dach der Wunderblutkirche auswechseln. Viele Hölzer sind alt, morsch, verfault und statisch nicht mehr tragbar. Ersatz muss also her. Ein Besuch bei den Handwerkern ist nichts für schwache Nerven. Nur über ein Gerüst geht es Treppe für Treppe hinauf zum derzeitigen Arbeitsplatz im nördlichen Teil der Kirche. „Bis November wollen wir hier fertig werden“, erklärt Wittig. Allerdings sei die Arbeit sehr wetterabhängig. „Als es hier heute stark geregnet hat, mussten die Arbeiter den Eingang ins Dach komplett schließen und verschrauben“, erzählt Jochen Purps vom Gemeindekirchenrat den rund 30 Besuchern der öffentlichen Bauführung am Dienstagabend, die sich hinauf getraut haben.

Gedeckt ist das Dach der Querhäuser derzeit mit Bitumenpappe. „Die Dachziegeln wären zu viel Gewicht während der Arbeiten“, so Purps. Die neuen Balken sind bis zu sieben Metern lang, 30 mal 30 Zentimetern dick und ersetzten die Vorgänger, die vermutlich aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammen.

Gleichzeitig arbeitet das Team der Zimmermänner unter dem Dach des südlichen Querhauses der Kirche. „Das Südquerhaus war die schwierigste Bauphase. Die Balken waren alle faul und mussten ersetzt werden, deutlich schlimmer als wir das erwartet hatten“, berichtet Christian Richter, ebenfalls vom Gemeindekirchenrat. Bis Oktober soll dieser Bereich fertig sein, dann können die Dachdecker beginnen, die Ziegel zu platzieren. „Ursprünglich hatten wir überlegt, auch die alten Ziegel wieder mit zu verwenden. Aber das wollte die Dachdeckerfirma nicht verantworten. Die Gewährleistung, dass diese länger als zehn Jahre auf dem Dach bleiben würden, könnte nicht gegeben sein“, so Richter.

Mit Fertigstellung des dritten Bauabschnittes in diesem Jahr, soll 2020 der vierte beginnen. Dieser wird dann der letzte im Außenbereich der Kirche sein. Das Dach über dem hohen Chor, dem ältesten Teil der Wunderblutkirche, wird abgedeckt, ehe Dirk Wittig und Kollegen dort mit den Arbeiten beginnen können.

Die Abschnitte fünf bis sieben werden im Inneren der Kirche stattfinden. Dort sollen unter anderem die Fenster der Wunderblutkapelle neu gestaltet werden. „Hierfür haben wir die Idee, einen Wettbewerb zu veranstalten, an dem renommierte Künstler teilnehmen können“, so Richter.

Der Prignitzer, 08.08.2019

 

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